Kategorie: Ärzte und Behinderung

Überlegungen bezüglich „Krankheit, Behinderung, Gesundheitssystem“

Ich möchte nicht anderen die Schuld geben oder mich in die Opferrolle einfinden, und trotzdem ist es immer wieder in meinen Gedanken: was wäre (gewesen), wenn ich mich besser verständlich machen könnte, wenn ich nicht „auch noch“ Autistin wäre – hätte es dann angemessene Behandlungen meiner Krankheiten gegeben, wäre dann alles nie so schlimm gekommen, wo würde ich heute stehen?

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Dies ist (jetzt) nicht hier

Wenn ich lese oder höre, warum Menschen „trotz“ Krankheiten und Behinderungen positiv bleiben können, dann beinhaltet deren Antwort immer die Vokabeln „Freunde“, „Menschen“, „menschliche Unterstützung“.

Ja, ich bekomme gerne ein Kompliment

nein, ich will es nicht ablehnen, das Lob „es geht dir besser“, und möchte doch sagen: jeder Morgen ist schwer, ich habe den Jahreswechsel kaum geschafft, ich bin so müde – damit mache ich mir aber keine Freunde, Ärzte und Physiotherapeuten möchten Erfolge sehen, das kann ich ihnen nicht wegnehmen, ich bin auf sie angewiesen, sie müssen bei Laune bleiben.

Ich bin immer noch hier

Es ist eine Sache, wenn ich mir selbst nicht vorstellen konnte, so „alt“ zu werden, eine andere ist es, wenn eine Ärztin sagt, nun sei ich ja immerhin so „alt“ geworden und dann (ratlos?) schweigt, weil die Vorstellungskräfte aller an diesem Punkt meiner Existenz versagen.

Ich mache es mir schön

Ich wohne gerne hier, weil die Leute von der Apotheke mich kennen, das Krankenhaus 20 Minuten entfernt ist, ich so oder so kein Geld für selbstbestimmtes Wohnen hätte und in Afrika Kinder verhungern, während hier der Herd repariert werden konnte und ich zum Glück so wenig Geld für „Teilhabe“ ausgebe, dass es für mein (zugegeben teures) Spezial-Essen immer noch reicht.