Monat: November 2016

Energie IX

Es gibt Zeiten, da bekomme ich meinen kleinen Energietank nicht gut genug gefüllt, und in diesen Zeiten fällt mir auf, dass einfach alles Energie verbraucht: freuen, ärgern, aufstehen, lächeln, essen, laubfegen, Bilder im Museum ansehen, sprechen, lesen, schreiben, einkaufstütenauspacken, gegen Übergriffe abgrenzen, tagesschaugucken, Wäsche in den Schrank legen, vorausdenken, planen, sprudeltrinken, Gedanken der anderen lesen….

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Wünsche IV: Ich schäme mich so für meine Wünsche

Ich hatte mir, als meine beiden größten Wünsche, gewünscht, erstens regelmäßig (einmal die Woche 30 Minuten) Physiotherapie haben zu können und zweitens einen (!) Menschen etwas (!) näher zu kennen (so weit mir das mit meiner begrenzten Kennenlernfähigkeit möglich ist), was gibt es da also zu schämen, wenn ich nun, nach all den Jahren, auch mal eine regelmäßige Physio bekommen kann und auch mal jemanden ein winziges Stückchen persönlicher kenne?

Erklärbär

Es ist mir schwer, dass ich rechtfertigen muss, Gefühle zu besitzen, ein „Innenleben“, dass mein zeitweise Nicht-Sprechen kein „Manipulationsinstrument“ ist oder „Feindseligkeit“, dass ich mir – wie doch jeder Mensch – wünsche, sein zu dürfen, wie ich bin, denn wenn ich das alles nicht selbst erkläre (und bitte verbal, denn „ach-Gott-wir-können-nicht-auch-noch-ein-Infoblatt-lesen“), dann bin ich so, wie die Welt ausserhalb meines Kopfes mich zurechtmodelt.

Die stumme Sprecherin

Gestern war es mir – ein guter Tag – möglich, selbst einen Bedienwunsch in einem Café zu äußern und das Lob zu erhalten, ich rede so eloquent, ob ich nicht im Callcenter arbeiten könne, da habe ich dann die halbe Nacht nicht geschlafen aus Furcht vor einer Zukunft, in der ich gezwungen sein werde, stundenlang in einer Zelle still zu sitzen, und es kommt unverständliches Gerede aus dem Telefonhörer und schnürt mir wieder die Sprache ab.