Vor allem eins, mein Kind (Lug und Trug II)

Ich werde dazu aufgefordert, genau zu rechtfertigen, was ich benötige, wie ich bin (und warum), was mein „Problem“ sei, und dabei möge ich bitte ganz ehrlich sein; doch dann – wieder – möchten meine Professionellen, meine Angehörigen und alle die Menschen, die mit mir in dieser Welt leben (denn wir leben in einer Welt, ich lebe doch gar nicht „in einer anderen Welt“) sich die Wahrheit nicht zumuten: wie ich denn so unverblümt sein könne.

Der Fehler liegt bei der allzu großen Aufrichtigkeit. Wer lügt, schämt sich, denn an jeder Lüge muß er das Unwürdige der Welteinrichtung erfahren, die ihn zum Lügen zwingt, wenn er leben will, und ihm dabei auch noch „Üb immer Treu’ und Redlichkeit“ vorsingt (Adorno, Minima Moralia 9)

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